SPD Frankfurt am Main

Pressemitteilung:

Frankfurt am Main, 15. August 2011

Prof. Dr. Rudolf Hickel, Professor für Finanzwissenschaften zu Gast im Roten Club

In seinem Vortrag kritisierte Hickel die Schwächen des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das weithin als wichtigster Wohlstandsindikator gilt.
Schon seit Wochen stand der Termin fest, an Aktualität aber war das Wirtschafts- und Finanzthema des Abends aufgrund der aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten und der drohenden Zahlungsunfähigkeit eines weiteren Eurolands kaum zu überbieten. Dieser Umstand und die Bekanntheit des Referenten waren mit Sicherheit zwei Gründe, warum etwa 120 Menschen der Einladung ins Frankfurter Gewerkschaftshaus gefolgt waren. Der Focus der Veranstaltung sollte zunächst beim Thema Wirtschaftswachstum liegen, Hickel hatte zu diesem Thema kürzlich einen Artikel veröffentlicht in dem er die Frage aufwarf, ob nicht weniger Wachstum auch mehr Glück bedeuten könne. Doch Hickel ließ es sich nicht nehmen, in seinem Vortrag die jüngsten Probleme an den Finanzmärkten zu thematisieren, auf die Ursachen hinzuweisen und politische Notwendigkeiten zu formulieren.
In seinem Vortrag kritisierte Hickel die Schwächen des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das weithin als wichtigster Wohlstandsindikator gilt.

So berücksichtigt das BIP im Prinzip nur preisbewertete Waren, also Güter und Dienstleistungen die für Märkte produziert werden. So finden z.B. Dienstleistungen ohne Preise, wie Nachbarschaftshilfe, ehrenamtliche Tätigkeiten und Hausarbeit keine Berücksichtigung. Externe Kosten wie Umweltbelastungen, die durch privatwirtschaftliche Produktion entstehen werden außerdem ausgeblendet. Auch die Frage der Verteilung von Einkommen und Vermögen spielt für das BIP keine Rolle. Hickel kommt zu dem Schluss, dass mit dem Aufstieg des BIP zum einzigen Wohlfahrtsindikator das Interesse an den realen Lebensbedingungen der Menschen verloren gegangen sei, hatte sich der BIP-Zuwachs der letzten Jahre doch eindeutig auf die ökonomisch Wohlhabenderen konzentriert.

Die jüngsten Kursabstürze an den Weltfinanzmärkten nahm Hickel zum Anlass heftige Kritik an den milliardenschweren Hedgefonds zu üben, die durch Leerverkäufe von Wertpapieren gewinnbringend auf erhoffte Kursabstürze setzen. Hickel sprach sich für eine konsequente Regulierung der Finanzmärkte aus, hierzu zählen u.a. das Verbot von ökonomisch schädlichen Spekulationsinstrumenten wie mehrfach verpackte Wertpapiere, Kreditausfallversicherungen und Leerverkäufe. Ferner sieht er die Notwendigkeit zur Einführung einer weltweiten Finanztransaktionssteuer.

Die anwesenden Gäste brachten in der Diskussion ihr generelles Misstrauen gegenüber dem Neoliberalismus zum Ausdruck, scharfe Kritik gab es außerdem an der schwarz-gelben Bundesregierung die keine Antwort auf die Wirtschafts- und Finanzkrise hat. Deutlich wurde die Notwendigkeit einer politischen Alternative, die den Vorrang der Politik vor den Banken und Finanzmärkten wieder herstellt und eine Wirtschafts- und Finanzpolitik betreibt die eine gerechtere Verteilung von Einkommen und Vermögen schafft.

Die Frage einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik wird auch künftig Thema des Roten Clubs sein. Im Januar 2012 wird es einen Roten Club zum Thema „Gemeingüter“ geben. Der nächste Rote Club beschäftigt sich am 8. September 2011 mit der Situation der Medien in unserem Land, zu Gast ist der Journalist und Medienkritiker Tom Schimmeck, der Abend steht unter dem Motto: „Den Blick in die Welt kann man mit einer Zeitung versperren“.

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