SPD Frankfurt am Main

Meldung:

Frankfurt am Main, 22. August 2012
SPD Finanzforum

Schwitzen über der Finanzmarktkrise

Prof. Dr. Dr. Helge Peukert zu Gast beim SPD Finanzforum

Unter der Überschrift „Einige radikalere Reformvorschläge zur Lösung der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrisen“ diskutierten gestern Abend rund 40 Gäste des SPD Finanzforums im Saalbau Dornbusch. Zu Gast war der Finanzwissenschaftler und Soziologe Prof. Dr. Dr. Helge Peukert von der Universität Erfurt. Zentrale These des Abends: Zur Lösung der Krise muss die Macht der Finanzindustrie gebrochen werden.

Bei ca. 30 Grad Raumtemperatur schwitzten gestern rund 40 Parteimitglieder und Gäste des SPD Finanzforums über den Problemen der gegenwärtigen Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung durch Muzaffer Yilmaz, Vorstandsmitglied der Frankfurter SPD, schilderte Prof. Dr. Dr. Helge Peukert, Volkswirt und Soziologe an der Uni Erfurt, in einem Impulsreferat die Ursachen der Krisen und deren Zusammenhänge und stellte dem Auditorium einige seiner „radikaleren“ Reformvorschläge vor.

Problem der Finanz- und Staatsschuldenkrise sei nicht die Konzeptionslosigkeit aus Wissenschaft und Teilen der Politik, vielmehr die Lobbymacht der Finanzindustrie. „Auf der EU-Ebene wird viel geredet und viel Papier produziert, aber getan wird fast nichts“, so Peukert gestern Abend in Frankfurt. Zudem dürfe nicht zugelassen werden, dass Finanzlobbyisten die Gesetzte schreiben. Peukert sagt, dass durch die Lösung der Finanzmarktkrise, gut zwei Drittel der Staatsschuldenkrise gar nicht erst entstanden wäre und somit nicht das Problem darstelle, vor dem wir heute stünden.

Zu den zentralen Forderungen des Finanzwissenschaftlers zählen vor allem die Einführung eines Trennbankensystems in Geschäfts- und Investmentbanken. Des Weiteren müssten Banken, die auf Grund ihrer Größe ein Erpressungspotential gegenüber der Gesellschaft hätten zerschlagen werden. Dabei gilt es eine Maximalgröße zu definieren. Finanzinstitute müssen für ihre Geschäfte wieder selber haften. Das Ansteckungspotential des Finanzsystems bei Schieflagen einzelner Geldhäuser, hält Prof. Peukert bei kleinen Banken dann für gering.

Die Zuhörer diskutierten mit dem Wissenschaftler auch Thesen zur Vollgeldtheorie, zur Entflechtung des Kapitalmarkts sowie zu einer wirklich standfesten Einlagensicherung. „Verluste sozialisieren, Gewinne privatisieren muss ein Ende haben. Eine Finanzmarkttransaktionssteuer ist dabei ein zentrales Element“, fasst er seine Ideen zusammen.

„Die Ideen von Prof. Peukert greifen die aktuellen Probleme nicht nur auf, sondern zeigen Ansätze, die im Rahmen unseres Wirtschaftssystems realisierbar sind“, sagte Muzaffer Yilmaz, Vorstandsmitglied der Frankfurter SPD. Politik habe nicht die Aufgabe, einzelne Interessensgruppen zu bevorteilen. „Die Macht der Bankenlobby muss gebrochen werden“, forderte Yilmaz auf der Veranstaltung. „Es ist wichtig, dass sich die Parteien trotz der Komplexität der Problematik in der Debatte nicht zurücknehmen. Wir haben noch viel zu tun“, gab er den Gästen mit auf den Heimweg.

Prof. Dr. Dr. Helge Peukert ist Professor am Lehrstuhl für Finanzwissenschaft und -soziologie an der Universität Erfurt. Seine Hauptarbeitsgebiete sind heterodoxe ökonomische Theoriebildung, Finanzsoziologie und die Reform der Geldordnung und der Finanzmärkte. Er ist Autor des Buches "Die große Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise" (4. Aufl., Metropolis, 2012, 625 S.) und einer der bekannten Mitstreiter von "Occupymoney".

Muzaffer Yilmaz ist Vorstandsmitglied der Frankfurter SPD und leitet das Finanzforum. Er ist bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) tätig. Der Sozialdemokrat bewirbt sich derzeit für die Direktkandidatur im Wahlkreis 182, der den Frankfurter Westen abdeckt.

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