SPD Frankfurt am Main

Meldung:

23. Oktober 2012
Reichtumsuhr - Interview mit Stefan Körzell

Ungleiche Einkommensverteilung hat keine Konsequenzen

+Stefan Körzell, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, vor der Reichtumsuhr des DGB in Frankfurt.

Stefan Körzell, Vorsitzender des DGB-Hessen, im Interview über die ungleiche Einkommensverteilung in Deutschland:

Frage: Was zeigt die Uhr?

Stefan Körzell: Die Reichtumsuhr zeigt an, wie sich das Vermögen in Deutschland von Sekunde zu Sekunde erhöht. Bezug genommen wird dabei auf das Nettovermögen, das heißt vom Bruttovermögen sind die Schulden abgezogen. Erfasst wird das Vermögen aller Personen ab 17 Jahren. Die Entwicklung von drei Größen wird dargestellt: Die Entwicklung des gesamten Nettovermögens und des Vermögens der reichsten sowie der ärmsten 10 Prozent. Von Vermögen kann man bei den ärmsten 10 Prozent der Bevölkerung allerdings nicht wirklich sprechen, denn die sind verschuldet. Ganz generell finde ich die Zahlen ziemlich erschreckend: Vom gesamten Vermögen in Höhe von 7,5 Billionen Euro besitzen die reichsten 10 Prozent 4,8 Billionen Euro, während die ärmsten 10 Prozent mit 14 Milliarden Euro verschuldet sind.

Frage: Wer hatte die Idee?

Stefan Körzell: Die Idee haben wir in unserer Bezirksverwaltung entwickelt. Wir wollen mit dieser Uhr der Schuldenuhr des Steuerzahlerbundes etwas entgegensetzen: Das Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt, und die Verteilung läuft immer weiter auseinander. Gleichzeitig konsolidiert die öffentliche Hand auf der Ausgabenseite und es fehlt das Geld für ein gutes Bildungssystem oder für öffentliche Investitionen. Der Staat hat in Deutschland kein Ausgaben-, er hat ein Einnahmeproblem.

Frage: Was empört dich am meisten an der Debatte und Armut und Reichtum?

Stefan Körzell: Mich ärgert, dass aus der Entwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland keine politischen Konsequenzen gezogen werden. Und mich ärgert, dass die Verursacher der Weltwirtschaftskrise nicht zur Kasse gebeten werden. Obwohl der deutsche Niedriglohnsektor der größte in Europa ist, gibt es keinen flächendeckenden Mindestlohn. Und trotz der beschriebenen Entwicklung bei der Vermögensverteilung und trotz einer strukturellen Unterfinanzierung der öffentlichen Hand weigern sich Parteien wie die FDP oder die Union, über eine angemessene Vermögensbesteuerung oder eine Vermögensabgabe ernsthaft zu diskutieren. Das kann mich wirklich aufregen.

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