SPD Frankfurt am Main

Meldung:

20. September 2016
ASF verleiht Auszeichnung zum 14. Mal

Olympe de Gouges-Preis 2016 für Gabriele Kemmler

Preisverleihung
+Von links: Nadine Gersberg,Gabriele Kemmler, Ullie Nissen, Marion Dominiak-Keller

„Ich fühle mich total geehrt und bin glücklich, dass die Politik mir mit dem Preis ermöglicht, dieses wichtige Thema in die Welt zu tragen“, sagte Gabriele Kemmler aus Anlass der Verleihung des Olympe de Gouges-Preises am 11. September in Frankfurt. Die 63-jährige Diplom-Pädagogin arbeitet im Frankfurter Frauengesundheitszentrum und leitet dort Gesprächsgruppen für Frauen mit traumatischen Geburtserfahrungen, vor allem auch für diejenigen, die ihr Kind im Laufe der Schwangerschaft oder während der Geburt verloren haben.

Wenn Frauen ihr Kind tot zur Welt bringen, es während oder kurz nach der Geburt stirbt oder auch als Frühgeburt nicht überlebt, bleiben verwaiste Eltern zurück. Wie sich das anfühlt, schilderte bei der Preisverleihung Nadine Gersberg, stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen des Bezirks Hessen-Süd, aus eigener Erfahrung anschaulich und eindrücklich: „Ich habe meine Tochter im sechsten Monat verloren und ich habe erst in der Gruppe mit Frauen, die Ähnliches durchgemacht haben, wirkliches Mitgefühl erlebt“, erzählte sie. Wut und Trauer zuzulassen habe ihr und vielen anderen geholfen, mit dem Erlebnis umzugehen. „Du hast uns ins Leben zurückgeholt, vielen Dank dafür“, sagte sie während der Preisverleihung stellvertretend für sehr viele Frauen, von denen etliche mit Kleinkindern und Babys zur Preisverleihung ins Haus der Jugend ans Mainufer gekommen waren.

Ulli Nissen, Vorsitzende der ASF Hessen-Süd, betonte, dass Gabriele Kemmler dazu beigetragen habe, „dass wir heute anders mit dem Thema umgehen“. Einstimmig habe der Vorstand dem Vorschlag von Nadine Gersberg zugestimmt, Kemmler den diesjährigen Olympe-de-Gouges-Preis zu verleihen. Bereits zum 14. Mal konnte die ASF den Preis überreichen. „Dass er mittlerweile eine so große Resonanz findet, liegt auch an den tollen Preisträgerinnen“, sagte Nissen. So konnte der Saal für die Preisverleihung auch kaum die vielen Gäste fassen.

„Wir wollten Frauen, die ein Kind bei der Geburt verloren haben, keins bekommen können oder eine traumatische Geburt erlebt haben, einen Raum geben, über das Erlebte zu sprechen, Gefühle der Trauer, der Angst und des Schmerzes zuzulassen“, erläuterte Marion Dominiak-Keller, Vorstandsmitglied des Frauengesundheitszentrums in ihrer Laudatio auf die Preisträgerin, die zugleich ein Abriss der Geschichte des 1977 in Frankfurt gegründeten Frauengesundheitszentrums wurde. Es war erst das zweite seiner Art in Deutschland. Aber erst in den 1980er Jahren richtete sich der Fokus auch auf Frauen, die ihre Kinder verloren hatten. Der Tod eines Babys sei für die Eltern ein schweres Trauma, sagte Dominiak-Keller, „aber man gibt verwaisten Eltern meist keinen Platz für die Trauer“. Heute wissen Psychologen, dass der Verlust eines Babys, auch schon in den ersten Monaten, zu einer post-traumatischen Belastungsstörung führen kann. Dennoch erlebten betroffene Familien auch heute noch oft Unverständnis von Familie, Freunden und Bekannten, viele Paare zögen sich mit ihrer Trauer zurück oder trennten sich, weil sie nicht damit zurechtkommen.

Auch Gabriele Kemmler war sehr bewegt von dem Anliegen der Frauen, die männerdominierte Medizin zu überwinden und die Tochter einer Pastorenfamilie schrieb ihre Diplomarbeit über den „Kinderwunsch als soziale Kontrolle über die Gebärfunktion der Frauen“. Nach Stationen in der Geburtsvorbereitung und Ausbildung wurde sie Mitglied im Team des Frauengesundheitszentrums und hat seither viele Familien in Trauer und Glück begleitet. Dass sie selbst demnächst Oma wird, verriet sie dem Festpublikum stolz. (Martina Propson-Hauck)

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