„Wiege der Demokratie“ soll in neuem Glanz erstrahlen – Bund gibt Millionen für Sanierung der Frankfurter Paulskirche

Bild: Andreas Praefcke - Eigenes Werk (own photograph), CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15094742

19,5 Millionen Euro stellt der Bund für die Sanierung der Frankfurter Paulskirche zur Verfügung. Das ist das Ergebnis der Haushaltsverhandlungen im Deutschen Bundestag. Mit dem Geld soll Deutschlands „Wiege der Demokratie“ in neuem Glanz erstrahlen.

Die Frankfurter Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) überbrachte die Förderzusage des Bundes soeben. „Das sind grandiose Nachrichten für unsere Stadt! Ich bin zuversichtlich, dass damit das 175-jährige Jubiläum der Paulskirche im Frühjahr 2023 im Gebäude selbst gefeiert werden kann“, so Nissen.

Aktuell weist die Paulskirche als Veranstaltungsort zahlreiche bauliche und funktionale Defizite auf. Neben Bauschäden wird die Funktionalität des Gebäudes insbesondere durch brandschutztechnische Mängel stark eingeschränkt. Auch die Medientechnik ist veraltet. Das soll nun ein Ende haben.

„Die Frankfurter Paulskirche hat das Geld des Bundes für ihre Sanierung mehr als verdient. Sie ist eines der wichtigsten Symbole unserer Demokratie. Das ist ein wahrlich geschichtsträchtiger Ort. Das Geld des Bundes ist hier bestens investiert“, meint Baupolitikerin Nissen.

 

Bundesförderung als Ergebnis gemeinsamer Bemühungen

Gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Johannes Kahrs, dem Chef-Haushälter der SPD-Bundestagsfraktion, hat sich die Abgeordnete in Berlin für die Investition in das Gebäude eingesetzt. Nissen dankte insbesondere dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), dessen „starkes Einstehen für diesen symbolträchtigen Ort eine gewichtige Rolle bei der Entscheidung des Bundes“ gespielt habe, so Nissen.

Feldmann hatte die Diskussion um die Zukunft der Frankfurter Paulskirche immer wieder belebt. Letztlich hatte er seinen Respekt vor dem Erscheinungsbild der Paulskirche des Wiederaufbaus von 1948 bekundet und sich gegen eine Rekonstruktion ausgesprochen. Nicht zuletzt hatte er an höchster Stelle bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier um Unterstützung des Vorhabens geworben.

 

Ziel und Gegenstand der Erneuerung

Um die Paulskirche modern und zukunftsfähig zu machen, können mithilfe des Bundes nun umfassende Erneuerungsmaßnahmen – insbesondere im Innenraum – durchgeführt werden. Geplant sind unter anderem die Modernisierung der Veranstaltungsausstattung und Haustechnik inkl. des Brandschutzes ebenso wie Ausbesserungen am Baukörper.

Ursprünglich als Kirche erbaut, fehlen der Paulskirche notwendige Funktionen eines zeitgemäßen Veranstaltungsorts. Dazu zählen unter anderem Garderobe, Lager, Andienung und Erste-Hilfe-Raum. Die bestehenden Flächen sollen optimiert und die fehlenden Funktionen nachgewiesen und räumlich umgesetzt werden. Außerdem weisen der Sandstein der Außenfassade sowie die Kupferblechbedeckung des Dachs kleinere Schäden auf. Im Zuge der Sanierungen sollen diese schadhaften Stellen ausgebessert werden.

Für eine zukunftsfähige Nutzung der Paulskirche sollen zudem multimediale Infrastrukturen wie Licht, Ton und Video permanent eingebracht werden. Dies umfasst auch die Möglichkeit einer Verdunklung des Raums.  Alle technischen Infrastrukturen sollen möglichst unauffällig integriert werden, sodass die pure Raumwirkung des Festsaals erhalten bleiben soll.

 

Dafür steht die Paulskirche

Die Frankfurter Paulskirche steht wie kein anderes Bauwerk in Europa für die demokratischen und freiheitlichen Grundwerte Deutschlands. Sie wurde als evangelisch- lutherische Hauptkirche Frankfurts zwischen 1789 und 1833 errichtet. Schon wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung trat hier im Mai 1848 die erste frei gewählte Nationalversammlung zusammen.

Nach einjähriger Arbeit an einer Verfassung für ein einiges Deutschland und dem letztendlichen Scheitern der Durchsetzung wurde das Parlament 1849 aufgelöst und die Paulskirche ab 1852 wieder für Gottesdienste genutzt. Im März 1944 wurde das die Paulskirche beim Bombardement der Frankfurter Altstadt schwer getroffen und brannte vollständig aus.

Nach dem Krieg wurde die Paulskirche auf Initiative des Frankfurter Oberbürgermeisters Walter Kolb als erstes Bauwerk der Altstadt wiedererrichtet und bereits 4 Jahre nach ihrer Zerstörung zum 100 jährigen Jubiläum der ersten Nationalversammlung als „Haus aller Deutschen“ wieder eröffnet.

Seither wird die Paulskirche nicht mehr als Gotteshaus genutzt, sondern als Veranstaltungsort für staatliche und städtische Anlässe sowie andere Großveranstaltungen. In den Jahren 1986 – 1991 wurden am Bauwerk umfangreiche Renovierungs- und Umgestaltungsmaßnahmen durchgeführt. Doch das ist nun rund 30 Jahre her.