Gemeinsam standen konkrete Schritte für eine gesunde, regionale und sozial gerechte Schulverpflegung im Mittelpunkt.
Gleich zu Beginn zeigte eine Umfrage, dass Geschmack, Qualität, Vielfalt und Preis die größten Herausforderungen darstellen. „Es schmeckt nicht“, „Zu wenig Auswahl“, „Zu teuer“ und „Es gibt immer nur Nudeln“ waren nur einige Antworten dafür. Es wurden Wünsche nach mehr Vielfalt, Frische, attraktiveren Räumen, mehr Zeit zum Essen, einer Salatbar, mehr Partizipation sowie bio‑regionalen Angeboten genannt. Ebenso wie mehr internationale Gerichte wie Döner, Wraps, Hummus und Falafel.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Hilal Arslan (Stützende Hände e.V.) und Hassan Annouri (WSAF e.V.). Mit am „Esstisch“ saßen Vertreter:innen der SPD Frankfurt, Kolja Müller und Sylvia Kunze, der Ernährungsrat bzw. Bündnis Ernährungswende Frankfurt vertreten durch Lena Iyigün und Susanne von Münchhausen, der Stadtschüler:innenrat (SSR) mit Stella Kreissl und Nia Valerie Brähler, Landwirtschaft mit Thomas Wolff von Querbeet und der Ernährungsberater und Profisportler Stephan Pütz.
Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie Frankfurt seine Schulverpflegung modernisieren kann. Obwohl die Stadt ein breites Ganztagsangebot hat, geht noch nicht einmal ein Viertel der Schüler:innen ab Klasse 5 in die Mensa. Verantwortlich seien dafür vor allem Zeitdruck, unattraktive Angebote, fehlende Ernährungsbildung und ungenügende Räumlichkeiten.
Nach Ansicht der Schüler:innen laufe das Essen an den Schulen zu hektisch ab und oftmals fehle es an Räumen, die Gemeinschaft bietet. Stella Kreissl und Nia Valerie fordern daher mehr Mitbestimmung und die Einführung von Mensakreisen an allen Schulen Frankfurts. „Die Schüler müssen das Gefühl haben, dass sie abgeholt und gleichzeitig mitgenommen werden“, so der SSR.
Ernährungsberater und Profisportler Stephan Pütz betonte die Bedeutung ausgewogener Mahlzeiten und praktischer Ernährungsbildung. Essen müsse Spaß machen und Kindern vermitteln, „welche Tankfüllung ihr Körper braucht“. Er erinnerte daran, dass Investitionen in gesundes Essen langfristig Kosten im Gesundheitssystem reduzieren. „Wenn wir heute in die Gesundheit unserer Kinder investieren, zahlen wir morgen weniger drauf.“
Kolja Müller, Co-Vorsitzender der SPD Frankfurt hob hervor, dass gutes Essen ein zentraler Baustein für Chancengleichheit sei. „Gutes Essen an allen Schulen in jedem Stadtteil. Schulverpflegung ist ein Gemeinschaftserlebnis und ein wichtiger Aspekt für Bildungsgerechtigkeit“, betonte Müller. Die Stadtverordnete der SPD Frankfurt Sylvia Kunze ergänzte, „dass die Unterschiede zwischen Kita/Grundschule und weiterführenden Schulen nicht länger hingenommen werden dürfen“.
Lena Iyigün und Susanne von Münchhausen vom Ernährungsrat hoben die strukturelle Bedeutung regionaler Produkte und kurzer Lieferketten hervor. Iyigün machte deutlich, dass Schulverpflegung wichtig für Gesundheit, Klima und soziale Teilhabe sei und dass Frankfurt hier große Chancen habe. „Die größte Hürde ist unserer Einschätzung nach die Durchsetzung der Qualitätsstandards“, betonte sie. Zudem wies sie darauf hin, dass eine fehlende Kommunikation zwischen Schulen und Caterern häufig Fortschritte behindere und technische Hürden/ mangelndes Verständnis beim Bezahlsystem Eltern unnötig belaste.
Thomas Wolff (Querbeet Bio Frischvermarktungs-GmbH) verwies auf die Bereitschaft regionaler Betriebe, sich stärker zu engagieren, sofern langfristige Planungssicherheit gewährleistet würde. „Landwirtschaft denkt im Zehnjahrestakt. Wir brauchen langfristige Zusagen.“
Hilal Arslan vom Verein Stützende Hände unterstrich die Bedeutung von Beteiligung: „Mitbestimmung beim Essen ist Demokratie lernen im Alltag.“ Hassan Annouri (WSAF e.V.) betonte die soziale Dimension: „Essen ist Gemeinschaft. Wenn Kinder nicht gemeinsam essen, verlieren wir Verbindung.“
Am Ende der Veranstaltung wurden konkrete Vereinbarungen unter allen Beteiligten getroffen: die Einführung von Mensakreisen, der Ausbau von Ernährungsbildung, gemeinsame Essenszeiten auch an weiterführenden Schulen, regionale Lieferketten mit langfristigen Verträgen sowie verbindliche Qualitätsstandards für Caterer. Pilotprojekte sollen den Weg für eine moderne, sozial gerechte und regionale Schulverpflegung ebnen.
Die SPD Frankfurt bewertete die Veranstaltung als wichtigen Impuls für eine breite Ernährungswende in Frankfurt. Politik, Schulen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft hätten deutlich gemacht, dass gutes Schulessen ein Schlüssel für Gesundheit, Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit sei und nun konkrete Schritte jetzt folgen müssten.
