Die SPD Frankfurt trauert um ihr langjähriges Mitglied Klaus Oesterling. Der ehemalige Vorsitzende der SPD-Fraktion im Römer und frühere Verkehrsdezernent der Stadt Frankfurt ist am Freitag, 7. August, im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Klaus Oesterling hat die Frankfurter Sozialdemokratie und die Kommunalpolitik über mehr als drei Jahrzehnte geprägt. Die Frankfurter SPD spricht seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden ihr tiefes Mitgefühl aus.
Klaus Oesterling stammte aus einer alten sozialdemokratischen Familie und trat 1975 der SPD bei. Er engagierte sich im Vorstand des Ortsvereins Niederursel, seit 1989 gehörte Oesterling der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung an, von 2006 bis 2016 führte er die SPD-Fraktion im Römer. Den hoch kompetenten Leiter mehrerer Ausschüsse ernannte seine Heimatstadt Frankfurt 2022 zum Stadtältesten.
In all diesen Jahren genoss der spätere Verkehrsdezernent auch parteiübergreifend große Anerkennung als Frankfurter Kommunalpolitiker. Seine besondere Stärke waren seine außerordentliche Sachkenntnis, seine Fähigkeit zur politischen Debatte und seine Bereitschaft, auch komplizierte kommunalpolitische Fragen klar und verständlich auf den Punkt zu bringen.
Die SPD Co-Vorsitzende und Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig saß von 2016 bis 2021 mit Oesterling am Magistratstisch: "Ich bin sehr traurig über Klaus' Tod. Er war ein ganz besonderer Mensch und ein großartiger Botschafter seiner Heimatstadt Frankfurt: Ein Mann von messerscharfem Verstand, aber mit einem weichen Kern. Klaus hatte einen klaren, von unfehlbarem Gerechtigkeitssinn geprägten Blick auf die Gesellschaft, deren Auseinanderdriften ihm große Sorgen bereitete. Wir haben während seiner Zeit als Verkehrsdezernent im Magistrat eng zusammengearbeitet, dabei habe ich Klaus als einen zugewandten, manchmal strengen, aber nie ungerechten Kollegen erlebt. Auf Klaus war Verlass, übrigens auch auf seinen stillen Witz. Er wird der Frankfurter Sozialdemokratie fehlen, er wird der Stadt fehlen, er fehlt mir auch persönlich schon jetzt."
Als Verkehrsdezernent brannte Oesterling für die Frankfurter Verkehrspolitik. In dieser Funktion setzte er sich mit großer Konsequenz für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die notwendige Verkehrsinfrastruktur einer wachsenden Großstadt ein. Zu den Projekten gehörten unter anderem die Verlängerung der U5 und U2, der Lückenschluss der U4, die Regionaltangente West, die nordmainische S-Bahn, die Ringstraßenbahn und die Verlängerung der Straßenbahn nach Höchst.
Kolja Müller, Co-Vorsitzender und Fraktions-Vorsitzender der Frankfurter SPD, lernte Klaus als einen Sozialdemokraten durch und durch kennen: „Mit Klaus Oesterling verliert unsere Partei einen überzeugten Sozialdemokraten, der soziale Gerechtigkeit als täglichen Kampf für eine lebenswerte Stadt verstand. Dazu gehörte für ihn vor allem der öffentliche Nahverkehr, den er schon als Kind durch seinen Vater täglich erlebte. Der massive Ausbau des roten Radwegenetzes wird für immer untrennbar mit ihm verbunden bleiben. Er ist der Vorreiter für die ökologische Verkehrswende.“
Oesterling verband Verkehrspolitik immer auch mit der sozialen Frage. Eine gute Verkehrspolitik war für ihn immer eng verbunden mit Teilhabe und Lebensqualität. Alle Frankfurterinnen und Frankfurter sollen zuverlässig und bezahlbar unterwegs zu sein. Zugleich war seine Haltung zur Verkehrswende von Pragmatismus geprägt: Er wollte die verschiedenen Bedürfnisse der Menschen zusammenbringen, statt das Auto grundsätzlich zum Gegner zu erklären. Auch mit politischen Entscheidungen, die kontrovers diskutiert wurden, verband er eine klare Haltung. Die zeitweise Sperrung des Mainkais für den Autoverkehr fiel in seine Amtszeit und bei der Umsetzung des Frankfurter Radentscheids setzt er mit den roten Radfahrstreifen bis heute noch ein sichtbares Zeichen.
Ursula Busch, die ihm für zehn Jahre als Fraktionsvorsitzende nachfolgte, stand ihm sehr nah: "Klaus Oesterling war ein Mensch mit Ecken und Kanten, der sich mit ganzer Kraft für unsere Stadt und sozialdemokratische Politik eingesetzt hat. Sein umfassendes Wissen, seine klaren Worte, sein trockener Humor und seine Klugheit werden der Frankfurter SPD schmerzlich fehlen. orte, sein trockener Humor und seine Klugheit werden der Frankfurter SPD schmerzlich fehlen."
Oesterlings Leidenschaft für den öffentlichen Nahverkehr war dabei nicht nur politisch, sondern auch ganz lebenspraktisch relevant: Der studierte Mathematiker kannte das Frankfurter Schienennetz wie kaum ein anderer und verfügte über ein außergewöhnliches Wissen über Strecken, Linien und Fahrpläne. Er selbst besaß keinen Führerschein, daher sah man ihn stets im Bus, der Bahn, zu Fuß oder auf dem Rad.
Klaus Oesterling war durch und durch Frankfurter. Geboren und aufgewachsen in der Stadt, lebte er bis zuletzt in der Nordweststadt. Seine tiefe Verbundenheit mit Frankfurt und sein jahrzehntelanges Engagement für die Stadt machten ihn zu einer herausragenden Persönlichkeit der Frankfurter Kommunalpolitik.
Die SPD Frankfurt verliert mit Klaus Oesterling einen engagierten Sozialdemokraten, einen leidenschaftlichen Kommunalpolitiker und einen hochgeschätzten Weggefährten. Sein Rat, seine klare Stimme und seine besondere Art, politische Debatten zu führen, werden fehlen.
Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen, seinen Freundinnen und Freunden sowie allen, die ihm nahestanden. Wir werden Klaus Oesterling nicht vergessen und sein Andenken in Ehren halten.